Der Mensch erkennt die Welt nicht unmittelbar.
Er erkennt sie durch Begriffe.
Der Begriff
Begriffe erfassen die Wirklichkeit nicht.
Sie ersetzen sie.
Sie entstehen,
indem Wahrnehmung geordnet wird.
Dabei geschieht: Auswahl, Reduktion und Abgrenzung.
Was entsteht,
ist keine Übereinstimmung mit der Welt,
sondern eine Form,
die Orientierung ermöglicht.
Die Struktur des Begriffs
Ein Begriff fasst zusammen,
was in der Wirklichkeit unterschiedlich ist.
Beispiel: Der Begriff „Baum” umfasst: unterschiedliche Arten, unterschiedliche Formen und unterschiedliche Zustände.
Diese Vielfalt wird vereinheitlicht.
Der Begriff erzeugt: Stabilität, Wiedererkennbarkeit und Eindeutigkeit.
Diese Eigenschaften erleichtern Orientierung.
Doch sie sind nicht Eigenschaften der Wirklichkeit.
Die Wirkung der Begriffe
Begriffe erzeugen Ordnung. Sie ermöglichen: Einordnung, Vergleich und Kommunikation.
Beispiel: Der Begriff „Krankheit” ordnet: unterschiedliche Ursachen, unterschiedliche Verläufe und unterschiedliche Symptome.
Was entsteht,
ist eine Kategorie,
die handhabbar ist.
Doch diese Kategorie: vereinfacht, reduziert und strukturiert.
Sie ersetzt nicht die Wirklichkeit,
sondern ihre Komplexität.
Die Stabilität
Begriffe wirken stabil,
weil sie wiederholt werden.
Sie erscheinen: eindeutig, klar und verlässlich.
Diese Stabilität entsteht nicht aus der Wirklichkeit, sondern aus: Konvention, Wiederholung und Übereinstimmung.
Die Täuschung und ihre Grenze
Die durch Begriffe erzeugte Ordnung wird als Eigenschaft der Wirklichkeit verstanden — das Denken setzt: Begriff = Realität. Doch Begriffe sind Konstruktionen, Werkzeuge, Ergebnisse von Verarbeitung: Sie können ordnen, strukturieren und verständlich machen, aber sie können die Wirklichkeit nicht vollständig erfassen, nicht ihre Dynamik abbilden und nicht ihre Vielfalt enthalten.
Schlusssatz
Begriffe machen Wirklichkeit handhabbar.
Doch indem sie sie ordnen,
ersetzen sie sie.
Leave a Reply